Die Käfers von der Elbe


Beste Qualität, herausragender Service und viel harte Arbeit – das sind die Erfolgsgeheimnisse der Geschwister Habben, die sich jetzt schon neue Ziele für den 200. Geburtstag gesetzt haben.

Rechtzeitig zum 175. Geburtstag haben Claas Rudolf und Eltje Helene Habben das hanseatische Traditionsunternehmen Beisser wieder flott gemacht. Aus der einstigen Schlachterei ist ein Fleisch-Feinkosthandel mit gefragtem Catering-Service geworden.

Foto: Fritz Meffert
Text: Elena Rudolph

Die Fleischerei Beisser gehört zu Hamburg wie Michel, Elbstrand und Alster. Im Grunde gilt: Wer noch nie in eine Original Beisser-Wiener Würstchen gebissen hat, ist eigentlich kein waschechter Hanseat. Denn seit 175 Jahren gibt es den Betrieb nun schon in unserer Stadt – kaum ein Familienunternehmen hat eine derart lange Tradition. Als Gründer Georg Christian Beisser im Jahre 1836 die erste Filiale in der Spitalerstraße eröffnete, wird er wohl kaum daran gedacht haben, dass sein Unternehmen noch zwei Jahrhunderte später fest in der Geschäftswelt der Hansestadt etabliert und selbst in 6. Generation noch ein Garant für feinste Wurst- und Fleischwaren sein würde.

Dass dem so ist, sei allerdings wirklich ein kleines Wunder, findet selbst Claas Rudolf Habben, der das Unternehmen vor vier Jahren übernahm und heute mit seiner Schwester Eltje Helene Habben führt: „ Anfangs habe ich nicht daran geglaubt, dass wir in diesen Tagen Grund zur Feier des 175. Firmenjubiläums haben würden. Denn als mein Vater, dessen Mutter übrigens eine geborene Beisser war, mich 2007 fragte, ob ich den Betrieb übernehmen wolle, ging es dem Unternehmen noch sehr schlecht.“ Der Blick in die Bücher war ernüchternd. „Eigentlich stand groß „Lass die Finger davon“ drauf“, erinnert sich der 31-Jährige. Andererseits waren da der gute Name, die Tradition und der Traum von der Selbständigkeit. Und nicht zuletzt: Die Gewissheit, dass es möglich sein muss, ein Unternehmen mit zwei so außergewöhnlich guten Standorten – am Eppendorfer Baum und in der Ottenser Hauptstraße – wieder ganz nach vorn zu bringen.

Die nötige Erfahrung für eine solche Aufgabe brachte Claas Rudolf Habben allemal mit: Nach dem Abitur hatte er zunächst eine Fleischerlehre absolviert, dann BWL studiert und schließlich eine Blitzkarriere in der Tengelmanngruppe hingelegt, bei der er unter anderem als Vertriebsgeschäftsführer der Lebensmittelkette PLUS in Spanien und als Referent des Vorstandsvorsitzenden der Holding gearbeitet hatte. Mit gerade einmal 27 Jahren hatte Habben also eine gehörige Portion Lebensmittel-Know-how im Gepäck. Ihm war klar: “Für kleine Fachgeschäfte ist es heutzutage nur möglich, im Wettbewerb zu bestehen, wenn sie den Kunden etwas bieten, was sie sonst nirgendwo bekommen.“ Wohin die Reise gehen sollte, stand deshalb schnell fest: Aus Beisser sollte ein Fleisch-Feinkosthandel werden. Sozusagen ein Hamburger „Käfer“ – auf Fleischwaren spezialisiert. Die Kunden haben Habbens neue Geschäftsphilosophie auf Anhieb begeistert angenommen. Schon im zweiten Jahr nach der Übernahme schrieb das Unternehmen erstmals wieder schwarze Zahlen.

Geholfen hat dem Jungunternehmer dabei aber auch die Entscheidung, ein Jahr nach dem Kauf des Unternehmens Schwester Eltje mit ins Boot zu holen. Diese hatte sich nach ihrem BWL-Studium bis dato beim Immobilienmakler Engel & Völkers als Marketingexpertin die ersten Meriten verdient. Gemeinsam entwickelten die Geschwister alsbald ein innovatives Geschäftskonzept, das nicht nur die grundlegende Modernisierung der beiden Läden, sondern auch den Neuaufbau eines Gourmet-Catering-Services vorsah, dessen herausragende Leitung sich inzwischen stadtweit herum gesprochen haben. „Ob kleiner Empfang, Business-Lunch oder der ganz große Rahmen – wir bieten unseren Kunden weit mehr als exzellente Küche“, erklärt Eltje Habben, die für „Beisser Catering & Events“ verantwortlich zeichnet. „Auf Wunsch sorgen wir nicht nur für das leibliche Wohl der Gäste, sondern kümmern uns auch um alles andere: Von der Location-Suche über die Dekoration bis hin zu den benötigten Servicekräften.“ Der Full-Service kommt gut an, längst gilt es als schick, seinen Event von Beisser ausrichten zu lassen. Vor allem, weil die dabei servierten Speisen ganz hervorragend schmecken.

Das wiederum hat einen guten Grund: Seit nunmehr vier Jahren setzt man bei Beisser wieder auf traditionelle Herstellungsverfahren. Das Fleisch, das die Geschwister Habben in beiden Filialen verkaufen und bei Veranstaltungen servieren, stammt aus handverlesenen Zuchtbetrieben aus dem Hamburger Umland, von Landwirten, die ihre Tiere artgerecht halten und mit natürlichem Futter großziehen. Zudem reift das Fleisch – ganz so, wie es früher üblich war – im Trockenschrank: „Durch das so genannte „dry aging“ bekommt es einen wunderbaren nussigen Geschmack. Ist ganz besonders zart und butterweich“, schwärmt Claas Habben. Wer schon einmal die Freude hatte, eins zu kosten, weiß: Ein Beisser Steak ist in der Tat etwas ganz Besonderes.

Die Arbeit im Betrieb lässt den Geschwistern kaum Zeit für Müßiggang. Bis zu 14 Stunden täglich arbeiten die beiden und setzen all ihr Herzblut daran, das Familienunternehmen zukunftsfähig zu machen. Da trifft es sich gut, dass beide Lebenspartner gefunden haben, die ihr arbeitsreiches Unternehmer-Dasein akzeptieren. Und so sind sie trotz ihrer Sechs-Tage-Wochen glücklicher und ausgeglichener als vor der Beisser-Übernahme. „Erfolg zu haben, fühlt sich einfach viel besser an“, gibt Claas Habben offen zu. Der Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber seien sie sich bei allem, was sie entscheiden, natürlich immer bewusst. Auch deswegen möchten die Geschwister Habben die Firma Beisser weiter wachsen sehen. Ihr Wunsch für die Zukunft? „Es wäre toll, wenn Beisser zum 200. Firmenjubiläum in 25 Jahren nicht nur 30, sondern 200 Mitarbeiter hätte“, sagten sie.

Der Hamburger, Winter 2011

http://www.derhamburger.info/inhalt.html

 

21.12.2011


 
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GUTE FRAGE


Von: Marco König, stellv. Filialleiter Fleischerei Beisser, Hamburg
Re: Dinner for Two

Sony und Universal wollen das britische Musiklabel EMI
kaufen - laut Ex-Universal-Chef Tim Renner ein echtes
“Filetstück”. Wie geht man mit so etwas Feinem um?

Das hängt davon ab, wie groß und schwer das Filet ist und von welcher Rasse es stammt. Ein gutes Rinderfilet nehme ich etwa eine halbe Stunde vorher aus dem Kühlschrank. Dann brate ich es in Butterschmalz zwei bis drei Minuten lang an - je nach gewünschter Bräune. Danach schiebe ich es fünf Minuten bei 150°C in den Backofen. Bei unserer Fleischqualität, würze ich am Ende nur mit Salz und unserem eigenen Steakpfeffer. Dazu empfehle ich Salat, Rosmarinkartoffeln und einen trockenen Rotwein.

Erschienen in der Financial Times Deutschland am Dienstag, dem 15. November 2011

17.11.2011


 
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175 JAHRE BEISSER


Jubiläumsfeier mit rund 300 Gästen im Lichtwerk

Nicht nur die Eppendorfer kennen die Schlachterei Beisser am Klosterstern. Mit rund  300 Gästen wurde das 175-jährige Bestehen des Unternehmens im Altonaer Lichtwerk gefeiert. Martin Hildebrand, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer, würdigte in seiner Rede die Familientradition des Unternehmens. Gegründet 1836 in der Spitalerstraße, ist der Firmensitz heute am Eppendorfer Baum, zudem gibt es eine Filiale in der Ottensener Hauptstraße. Eltje Helene und ihr Bruder Claas Rudolf Habben führen das Familienunternehmen in der sechsten Generation. Der Betriebswirt und die Marketingexpertin verbinden Tradition mit Innovation im Bereich feinste Fleischwaren, Feinkost, Bistro und Catering. 

Unter den Gästen gesehen: Valentin von Arnim, Susann Atwell und Hubertus von Frankenberg.

Die Welt , Ausgabe vom Samstag, 29. Oktober 2011

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13687097/Jubilaeumsfeier-mit-rund-300-Gaesten-im-Lichtwerk.html

 

03.11.2011


 
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